Neurodermitis

Die Neurodermitis gehört zum so genannten atopischen Formenkreis. Sie gilt als eine erbliche Erkrankung, ist allerdings ebenso von Umweltfaktoren abhängig.

Der Fachmann spricht daher von einem individualen Schwellenwert, der zur Auslösung führt.

Zum atopischen Formenkreis gehören ebenso die allergische Rhinitis, die allergische Bindehautentzündung und das allergische Asthma.

Das Vorkommen in Nordeuropa liegt mittlerweile bei 9-30 %. Nach Professor Wüthrich, Universität Zürich, leiden 37,5% der Neurodermitiker zusätzlich an Asthma bronchiale und 45,5% an einer allergischen Rhinitis.


Man teilt die Neurodermitis, wenn sie vorwiegend im Säugling- und Kinderalter auftritt in Phasen:


- die so genannte infantile: im Alter von 2 Monaten – 2 Jahren

   


- die Kindheitsphase: im Alter von 4 – 10 Jahren

 


- die so genannte juvenile Phase: vor und nach der Pubertät, die im jungerwachsenen- und erwachsenenalter in die adulte Phase übergehen kann.

 

 

Das äußere Erscheinungsbild der Neurodermitis (die klinische Form) wird unterschieden in:


- den E-Typ, die ekzematöse Form mit Plasmaaustritt

 


- den L-Typ, der sich jenseits des 2 Lebensjahres entwickelt und der durch ein vergrößertes Faltenrelief gekennzeichnet ist (die Haut ist besonders trocken)

 


- den Purigotyp, der ab dem 13. Lebensjahr auftritt und der durch knotige Veränderungen in der Haut gekennzeichnet ist.
Die nachfolgenden Bilder zeigen die typischen Phasen der Neurodermitis – und deren Abheilung, um zu belegen, dass keiner auf Dauer oder gar bis zu seinem Lebensende mit Neurodermitis leben muss.


Der Hautarzt stellt die Diagnose nach drei Hauptkriterien.


1. Juckreiz.
2. Typisches Erscheinungsbild und die Verteilung dieses Erscheinungsbildes.
3. Der chronische und chronisch wiederkehrende Verlauf, bedingt durch das jeweilige Erbgut, sowie drei Nebenkriterien: die Trockenheit der Haut, die Ichtyosis (Fischhautbildung) und das erhöhte Immunglobulin E im Serum.

Es gibt Sonderformen, die nur die Hände, die Füße oder den behaarten Kopf betreffen. Die bevorzugten Stellen, die befallen werden sind jedoch gelenknahe Hautareale wie Beugen, Nacken, Hals und Innenseite der Oberschenkel.

Die Neurodermitis kann in jeder Lebensphase auftreten, kann zwischendurch abheilen, wobei man als Abheilung eine mindestens 1 Jahr dauernde Erscheinungsfreiheit definiert.

Es gibt jedoch auch Verfahren, die inzwischen auf viele Fälle verweisen können, die eine 25jährige Erscheinungsfreiheit aufweisen.

 

Man unterscheidet 3 Verlaufstypen.

Den Typ 1: Die Kindheitsphase mit anschließender Heilung in 7,4% aller Fälle.

Den Typ 2: Ebenfalls die Kindheitsphase betreffend, danach ein freies Intervall vor dem Wiederauftreten. Dieser Verlaufstyp kommt in 31,4% der Fälle vor.

Den Typ 3: Die Dauererkrankung, die bei 61,2% der Patienten auftritt.

Je ausgedehnter der Befall der Haut ist, desto eher kommt es zum kontinuierlichen Verlauf. In 50% aller Fälle kommt es zu einem alternierenden Verlauf mit Wechsel des Erkrankungsgeschehens in Asthma bronchiale oder allergische Rhinitis. Eine Hyposensibilisierung gegen das Asthma bronchiale bspw. gegen Hausstaubmilbenkot und Tierepithelien kann einen Neurodermitisschub auslösen.

Auslöser eines Neurodermitisschubs können vielfältig sein:

Allergenexposition
Kleidung
Arbeitsstoffe
Nahrungsmittel und deren Zusatzstoffe
Infekte
psychische Faktoren
Irritationen und Operationen
hormonelle Trigger
Medikamente
Geographische Faktoren (RAJKA: Herbst- Winter- Gipfel; niedrige Höhe des Meeresspiegels
verschlechtert die ND)
Hyperhidrosis und Histaminliberatoren

 

Nahrungsmittelallergien kommen bei 10-15% der erwachsenen Neurodermitiker vor. Bei Kindern und im Jugendalter bei schwerer atopischer Dermatitis kann es bis zu 30 und 50 % der Fälle kommen.
Typisch ist die abfallende Linie des Auftretens dieser Zusammenhänge, d.h. im ersten Lebensjahr waren es 72,2% nachgewiesener Nahrungsmittelallergien, im 7. Lebensjahr nur noch 11%.

Die echte Nahrungsmittelallergie darf nicht verwechselt werden mit der Nahrungsmittelintoleranz bspw. bei Enzymmangel durch toxische Reaktionen, durch Infekte mit bestimmten Erregern und pseudoallergische Reaktionen durch Nahrungsmittel, die Histamin oder histaminfreisetzende Substanzen enthalten. Inhalative Allergene wie Pollen, Schimmelpilzsporen und auch Hausstaubmilben haben häufig eine krankheitsauslösende oder verstärkende Rolle beim atopischen Ekzem.


Die Haut des Neurodermitikers ist besonders gefährdet durch Superinfektionen bspw. mit Staphylokokken und Viren, bedingt durch einen Defekt der T-Zellen, einer Unterfamilie der Lymphozyten.

Der typische Neurodermitiker ist ein „IgE-Athlet und T-Zell Schwächling“.

 

Artikel und Bilder wurden uns freundlicherweise von Dr. med. Horst Kief, Ludwigshafen zur Verfügung gestellt